Spezialfälle
Witwenrente und Witwerrente 2026 — mit Einkommensanrechnung
Die Hinterbliebenenrente der gesetzlichen Rentenversicherung gilt für Witwen und Witwer nach denselben Regeln. Sie ersetzt nur einen Teil der Rente des verstorbenen Partners — und eigenes Einkommen wird oberhalb eines Freibetrags angerechnet. Wie stark, zeigen drei durchgerechnete Fälle.
Datenquelle: Deutsche Rentenversicherung (DRV) und SGB VI §§ 63–68, § 77, § 235, § 255e, § 56. Rentenpaket 2025. Besteuerung nach § 22 EStG (Kohortenprinzip). Zuletzt geprüft: . Verbindlich ist ausschließlich die persönliche DRV-Rentenauskunft.
Große und kleine Witwen-/Witwerrente
Große Witwen-/Witwerrente
Rentenartfaktor 0,55
Wenn mindestens eine Bedingung erfüllt ist: Erziehung eines Kindes unter 18, Erwerbsminderung oder Erreichen der Altersgrenze. Die Altersgrenze steigt schrittweise auf 47 Jahre; für Todesfälle 2026 liegt sie bei 46 Jahren und 6 Monaten (§ 46 Abs. 2, § 242a SGB VI).
Kleine Witwen-/Witwerrente
Rentenartfaktor 0,25
Für jüngere Hinterbliebene ohne Kind und ohne Erwerbsminderung — höchstens 24 Kalendermonate nach dem Sterbemonat (§ 46 Abs. 1 SGB VI).
Witwer und Witwen sind im Gesetz gleichgestellt, eingetragene Lebenspartner ebenso (§ 46 Abs. 4 SGB VI). Voraussetzung ist, dass der Verstorbene die allgemeine Wartezeit erfüllt hat und die Ehe mindestens ein Jahr bestand — außer, es ist nicht anzunehmen, dass sie allein der Versorgung wegen geschlossen wurde. In den ersten drei Kalendermonaten nach dem Sterbemonat gilt der Rentenartfaktor 1,0 (Sterbevierteljahr, § 67 SGB VI).
So wird eigenes Einkommen angerechnet
- Vom Brutto wird pauschal gekürzt (§ 18b Abs. 5 SGB IV): Arbeitsentgelt um 40 %, eine eigene gesetzliche Rente (Beginn nach 2010) um 14 %.
- Davon geht der Freibetrag ab: 26,4 × aktueller Rentenwert = 1.122,53 € im Monat (ab 1. Juli 2026), plus 238,11 € je waisenrentenberechtigtem Kind (§ 97 SGB VI).
- 40 % des übersteigenden Betrags werden von der Hinterbliebenenrente abgezogen.
Leistungen aus geförderten Riester-Verträgen bleiben bei der Anrechnung außer Betracht (§ 18a Abs. 1 SGB IV).
Drei Beispiele: Witwe und Witwer
| Fall | Witwenrente | Einkommen gekürzt | über Freibetrag | Abzug 40 % | Auszahlung |
|---|---|---|---|---|---|
| Witwe: Mann mit 45 EP, eigene Rente 1.000 € | 1.052,37 € | 860,00 € | 0,00 € | − 0,00 € | 1.052,37 € |
| Witwer: Frau mit 30 EP, eigener Lohn 3.500 € | 701,58 € | 2.100,00 € | 977,47 € | − 390,99 € | 310,59 € |
| Witwer: Frau mit 30 EP, eigene Rente 2.000 € | 701,58 € | 1.720,00 € | 597,47 € | − 238,99 € | 462,59 € |
Die Witwe mit eigener Rente von 1.000 € bleibt nach der Kürzung unter dem Freibetrag und erhält die volle Witwenrente von 1.052,37 €. Beim berufstätigen Witwer schrumpft die Rente durch die Anrechnung um 390,99 € — sie fällt aber nicht auf null, weil Arbeitsentgelt vorab um 40 % gekürzt wird. Geht derselbe Witwer mit 2.000 € eigener Rente in den Ruhestand, ändert sich die Anrechnung entsprechend (dritte Zeile).
Vorsorge in Partnerschaften
Die Hinterbliebenenrente ist kein Vollersatz: Selbst ohne Anrechnung kommen nur 55 % der Rente des Verstorbenen an. Unverheiratete Paare haben gar keinen Anspruch. Wer den Ernstfall absichern will, prüft Hinterbliebenen-Optionen in Betriebsrenten- oder privaten Verträgen, eine Risikolebensversicherung oder eigenen Vermögensaufbau — eine Empfehlung geben wir nicht.